Kaiser Nero – Familienhintergrund
Der römische Kaiser Nero Claudius Caesar Augustus Germanicus wurde am 15. Dezember 37 n. Chr. in der italischen Küstenstadt Antium geboren. Sein Vater war Gnaeus Domitius Ahenobarbus, der einer der führenden Familien der alten Republik entstammte. Seine Mutter Julia Agrippina, die Jüngere, war die Tochter des Feldherren Germanicus und eine Schwester von Kaiser Caligula. Damit gehörte sie zu der julisch-claudischen Dynastie. Der junge Nero erhielt zuerst den Namen Lucius Domitius Ahenobarbus. Als er drei Jahre alt war, starb sein Vater Ahenobarbus und seine Mutter Agrippina wurde von Kaiser Caligula verbannt und musste auf den Pontischen Inseln leben.
Daher verbrachte Nero seine Jugend bei seiner Tante Domitia Lepida. Im Jahr 41 n. Chr. wurde Kaiser Caligula von Angehörigen der Prätorianergarde ermordet. Daraufhin wurde Claudius neuer Kaiser, der bald darauf Agrippina zurück nach Rom holte und sie im Jahr 49 heiratete. Danach wurde es Agrippinas Lebensziel, ihren Sohn Nero zu Claudius Nachfolger zu machen. Aus diesem Grunde verschaffte sie Nero die bestmöglichste Ausbildung in Latein, Mathematik und Literatur und holte sogar den Philosophen Seneca aus der Verbannung zurück, damit dieser Nero unterrichtete.
Im Jahr 50 wurde Nero von Kaiser Claudius adoptiert und erhielt den Namen Tiberius Claudius Nero Drusus Germanicus Caesar. Durch die geschickte Einflussnahme Agrippinas wurde Nero schon bald Thronfolger und bereits mit vierzehn Jahren Prokonsul und Senator. Als Claudius schließlich am 13. Oktober 54 starb, wurde Nero, gerade einmal sechzehnjährig, neuer Kaiser von Rom.
Kaiser Nero – Feinde und Gegner
In den frühen Jahren wurde Neros Regentschaft von Seneca und dem Prätorianerpräfekten Afranius Burrus zunächst positiv beeinflusst. Nero interessierte sich vor allem für Kunst und Musik und weniger für das Regieren. Das Verhältnis zum Römischen Senat war zuerst gut, verschlechterte sich im Laufe der Zeit jedoch deutlich. Zu Neros frühen Rivalen gehörte Claudius Sohn Britannicus, den Nero laut dem Historiker Tacitus, bei einem Abendessen im Februar 55 durch Gift beseitigen ließ. In den folgenden Jahren verschlechterte sich das Verhältnis zwischen Nero und seiner Mutter Agrippina, die vergeblich versuchte, Einfluss auf ihn zu nehmen. Agrippina musste den kaiserlichen Palast verlassen und wurde schließlich im Jahr 59 auf Befehl ihres Sohnes ermordet.
Mitte des Jahres 64 wurde Rom von einem verheerenden Großbrand heimgesucht, bei dem mehrere Stadtteile zerstört wurden. Obwohl Nero zahlreiche Hilfsmaßnahmen einleitete, geriet er in Verdacht den Brand selbst gelegt zu haben, um Neubauten wie das geplante Goldene Haus errichten zu können. Um den Verdacht gegen sich zu zerstreuen, ließ Nero die beim Volk verhassten Christen für den Brand verantwortlich machen, verfolgen und auf grausame Weise in der Arena hinrichten. Dennoch wuchs die Opposition gegen den Kaiser. Besonders bei den Senatoren wurde er immer verhasster. Schärfster Gegner Neros war der Senator Gaius Calpurnius Piso, der im Jahr 65 eine Verschwörung gegen den Kaiser einleitete, die jedoch fehlschlug und mit Pisos Selbstmord endete. Es kam zu zahlreichen Todesurteilen. Auch Neros alter Lehrer Seneca fiel bei ihm in Ungnade und wurde zum Selbstmord gezwungen. Nach einer weiteren fehlgeschlagenen Verschwörung, ein Jahr später, war das Verhältnis zwischen Nero und dem Senat endgültig zerrüttet. Als Nero nach seiner Griechenlandreise Anfang 68 nach Rom zurückkehrte, hatte sich die Stimmung vollends gegen ihn gewandelt. Es kam in den Provinzen zu einem Aufstand gegen Nero, der von dem Senator Gaius Vindex und dem Statthalter Servius Sulpicius Galba geleitet wurde. Auch der Prätorianerpräfekt Gaius Nymphidius Sabinus wandte sich gegen den Kaiser. Als sich alle Getreuen von ihm abgewandt hatten und ein Fluchtversuch nach Ostia scheiterte, beging Nero am 9. Juni 68 Selbstmord.
Kaiser Nero – Neros Frauen
Auf Betreiben seiner Mutter Agrippina hatte Nero im Jahr 53 n. Chr., im Alter von 16 Jahren, Claudius 12jährige Tochter Claudia Octavia heiraten müssen. Die Ehe war alles andere als glücklich. Nero vergnügte sich mit zahlreichen Geliebten wie der Freigelassenen Claudia Acte. Im Jahr 58 verliebte sich Nero leidenschaftlich in die Hofdame Poppaea Sabina, die mit Marcus Otho, einem seiner Freunde, verheiratet war. Diesen versetzte der Kaiser kurzerhand nach Lusitanien, um sich ungestört seiner Affäre mit Poppaea widmen zu können. Auch Octavia wurde schließlich, auf Wunsch Poppaeas, 62 n. Chr. weggeschickt. Aufgrund einer von Nero fingierten Ehebruchsklage wurde sie auf der Insel Pandateria inhaftiert und kurz darauf auf seinen Befehl hin ermordet. Nero konnte nun Poppaea Sabina heiraten, die ihm im Januar 63 eine Tochter mit dem Namen Claudia gebar. Doch bereits vier Monate später verstarb das Kind.
Im Jahr 65 war Poppaea erneut schwanger. Doch bereits im selben Jahr starb sie infolge eines heftigen Fußtrittes durch Nero. Danach heiratete Nero ein Jahr später Statilia Messalina, nachdem er zuvor deren Mann, den Konsul Vestinus Atticus, ermorden ließ. Als einzige von Neros Frauen überlebte sie den Kaiser.
Kaiser Nero – Leistungen
Wesentlich mehr als das Regieren faszinierte Nero Kunst und Musik, der er sich ausführlich widmete. Er war ein Förderer von griechischer Kunst und Kultur sowie von Naturwissenschaften, Geographie und Handel. Nero ordnete wissenschaftliche Ausgrabungen und Expeditionen an und betätigte sich leidenschaftlich als Dichter, Sänger und Lyraspieler. Er nahm an verschiedenen musischen Wettbewerben, Theateraufführungen und sogar an den Olympischen Spielen in Griechenland teil. Außerdem führte er nach dem Großbrand von Rom Brandschutzmaßnahmen ein. Piratenfest
Kaiser Nero – Bauwerke
Zu den bekanntesten Bauwerken aus der Zeit Kaisers Neros gehört das Goldene Haus (Domus Aurea), das Nero nach dem Großbrand von 64 errichten ließ. Der riesige, pompöse Palast war außerdem ein Landschaftspark und umfasste etwa 125 Hektar. Zudem ließ Nero in Rom breitere Straßen bauen.
Im folgenden Video gibt es ein paar Bilder und Informationen zur Domus Aurea in Rom, die heute nur noch kleinen Gruppen zugänglich ist.
Kaiser Nero – Geschichtliche Bewertung
Nero gehört wohl zu den umstrittendsten und bekanntesten römischen Kaisern. Zahlreiche Romane, Kino- und Fernsehverfilmungen stellten ihn als tyrannisches Scheusal dar, der Rom in Brand steckte und die Schuld dafür den Christen anlastete. Aber auch die zeitgenössischen Geschichtsschreiber wie Tacitus und Sueton betrachteten ihn höchst negativ. Christliche Geschichtsschreiber bezeichneten ihn gar als den Antichristen. Die historische Wahrheit über Nero ist höchst kompliziert. Auf der einen Seite war er ein skrupelloser Mensch, der auch vor Mord an seiner Mutter und seiner Frau nicht zurückschreckte, gleichzeitig war er aber auch Förderer von Kunst und Kultur. Seine ersten fünf Regierungsjahre, die von Senecas Einfluss geprägt wurden, waren aufgeklärt und maßvoll und erscheinen im Rückblick als goldene Ära. Danach nahmen die Vernachlässigung der Staatsgeschäfte und die Grausamkeiten mehr und mehr überhand, bis sie schließlich in Neros Untergang gipfelten. Mit seinem Tod endete auch die julisch-claudische Dynastie.