Als Gaius Octavius oder Octavian am 23. September im Jahre 63 v. Chr. in Rom geboren wurde, ahnte wohl niemand, dass er einmal unter dem Namen Augustus als erster Kaiser in die römische Geschichte eingehen würde und man von ihm heute als einem der wichtigsten Politikern des Altertums spricht. Seine Herrschaft begründete die Julisch-claudische Dynastie, brachte das Römische Reich zur kulturellen und wirtschaftlichen Blüte und legte den Grundstein für die Verwaltungs- und Herrschaftsstrukturen der nächsten Jahrhunderte.
Kaiser Augustus – die Familie
Gaius Octavius stammte dem eher unbedeutenden Landadel ab. Sein Vater war Senator, seine Mutter jedoch eine Nichte des herrschenden Julius Caesar. In Ermangelung eigener legitimer Söhne nahm sich Caesar seines jungen Großneffen an, adoptierte ihn schließlich in seinem Testament und ernannte ihn zu seinem Nachfolger.
Kaiser Augustus – der Erbe von Julius Caesar
Zur Zeit der Ermordung Caesars befand sich der junge Octavius mit seinen Freunden Agrippa und Rufus in Appolonia, dem heutigen Albanien. Nach Rom zurückgekehrt, erfuhr er vom Inhalt des Testaments und der damit für ihn verbundenen Konsequenzen. Die Herausgabe von Caesars Vermögen wurde jedoch zunächst durch Marcus Antonius verhindert, der selbst danach strebte, die Stellung des Diktators zu übernehmen. Der ehrgeizige Octavian ließ sich davon nicht abhalten, kam den Verpflichtungen aus dem Testament nach, in dem er die Legate an die Caesars Veteranen sowie die Bevölkerung Roms auszahlte. Gegen Marcus Antonius aber nahm er den Kampf auf. Er verbündete sich mit dem Senat gegen seinen Widersacher, verfolgte dabei aber eigene politische Ziele. Wie schon Caesar vor ihm, strebte er die Alleinherrschaft im Römischen Reich an. Während sich Caesar jedoch offen als Diktator gab und so den Unmut der Römer auf sich zog, ging Octavian wesentlich geschickter vor. Er beließ die alte Verfassung der Republik formal in Kraft. Ebenso ließ er Ämter und die Verwaltung bestehen. Sein Schachzug bestand darin, dass er ihnen die Macht entzog. Die Römer fühlten sich respektiert und anerkannt, hatten allerdings nichts mehr zu sagen. Octavian sorgte dafür, dass er alle Ämter besetzte, die ihm die Alleinherrschaft garantierten, er ließ sich vom Senat Sondervollmachten übertragen und hatte einige Jahre die Kommandos über wichtige Provinzen und Legionen inne.
Kaiser Augustus & Marcus Antonius
Zudem spielte ihm Marcus Antonius in die Hände, der die ägyptische Kaiserin Kleopatra heiratete und seine beim Volk sehr beliebte, bisherige Ehefrau Octavia verstieß. Als zudem noch bekannt wurde, dass Antonius beabsichtigte, Ländereien an Ägypten zu verschenken und sich nach seinem Tod dort begraben lassen wollte, kippte die Stimmung des Senates und der Bevölkerung vollends gegen ihn um. Octavian wurde beauftragt, gegen den Verräter zu Felde zu ziehen. Im Ergebnis dieses Krieges, den Agrippa 31 v. Chr. in einer Seeschlacht entschied, wurde Ägypten römische Provinz. Antonius und Kleopatra nahmen sich das Leben. Diese Ereignisse führten gleichzeitig zum Ende der Bürgerkriege im Römischen Reich.
Octavian kehrte als ruhmreicher Sieger zurück und unternahm einen weiteren Schachzug auf dem Weg zur Alleinherrschaft. Er legte formal alle Ämter nieder und rief die Republik aus. Sein Ansehen und seine Beliebtheit waren mittlerweile so gestiegen, dass die Bürger nicht gewillt waren, ihn ziehen zu lassen. Octavian erklärte daraufhin, dass er bereit wäre, dem Volk weiterhin zu dienen, wenn der Senat dies beschließen würde. Am 16. Januar im Jahr 27 v. Chr. bekam Octavian vom Senat den neu geschaffenen Ehrennamen “Augustus” verliehen.
Kaiser Augustus – die Frauen
Kaiser Augustus ging insgesamt drei Ehen ein. Seine erste Frau Clodia war die Stieftochter von Marcus Antonius und Augustus heiratete sie aus politischen Erwägungen heraus. Er trennte sich von ihr und ging wahrscheinlich um 40 v. Chr. erneut ein Zweckbündnis ein. Mit seiner zweiten Ehefrau Scribonia hatte er eine Tochter. Julia sollte sein einziges Kind bleiben. Im Jahr 38 v. Chr. heiratete Augustus, zu dieser Zeit noch als Octavian, schließlich seine dritte Frau, die den Rest seines Lebens an seiner Seite blieb und einen wesentlichen Anteil an seinem Erfolg hatte. Die Eheschließung der beiden wurde von vielen Römern als skandalös empfunden. Livia Drusilla war nämlich noch verheiratet und von ihrem Mann Tiberius Claudius Nero im sechsten Monat schwanger. Octavian setzte die Scheidung durch, obwohl eine Verheiratung Livias mit einem anderen Mann dem geltenden Recht widersprach.
Livia brachte die Söhne Drusus und Tiberius mit in die Ehe, eigene Kinder hatte das Paar nicht mehr. Tiberius war zunächst mit der Tochter Agrippas verheiratet, ehe ihn sein Stiefvater zu einer Ehe mit seiner Tochter Julia zwang. Als Stief- und gleichzeitig Schwiegersohn des Kaisers trat er nach dessen Tod seine Nachfolge an.
Kaiser Augustus – Außenpolitik
Die Außenpolitik unter Augustus wird unterschiedlich bewertet. Während die einen von einer defensiven Außenpolitik sprechen, die lediglich auf die Sicherung der Grenzen des Römischen Reiches ausgerichtet gewesen wäre, vertreten andere die Meinung, dass der Kaiser durchaus expansive Ziele verfolgt haben muss. Tatsache ist, dass während seiner Regierungszeit beträchtliche Gebietsgewinne gemacht worden sind. Dazu gehörten unter anderem die Eingliederung Ägyptens, die Eroberung Galatiens (heute Teil Zentralanatoliens um Angara), die Neuzuordnung der Kleinstaaten Armenien, Kappadokien (heute Teil Zentralanatoliens) und Mauretaniens (heute Teile von Algerien und Marokko) zum römischen Reich. Im Kantabrischen Krieg eroberte Augustus die letzten, noch nicht dem Römischen Reich unterliegende, Gebiete der nördlichen Iberischen Halbinsel. Die Reichsgrenze schob sich im Osten zeitweise bis zur Elbe vor.
Kaiser Augustus – die Varusschlacht
Augustus Eroberungspolitik endete im Jahr 9 v. Chr. mit der Schlacht im Teutoburger Wald, die auch als Varusschlacht in die Geschichte einging. Sein Ziel, die rechtsrheinischen Gebiete, die die Römer Germanien nannten, zu erobern, erreichte Augustus nicht. Stattdessen fanden in einem Gemetzel drei Elitelegionen, drei Reitgeschwader sowie etwa 18.000 römische Soldaten den Tod. Benannt wurde die Schlacht nach dem römischen Oberbefehlshaber Quinctilius Varus, der in Germanien die römische Verwaltung und das römische Recht durchsetzen sollte. Dabei stellte er sich augenscheinlich so ungeschickt und undiplomatisch an, dass die Germanen nicht überzeugt werden konnten, Untertanen des Römischen Reiches zu werden. Im Gegenteil führte sein Auftreten dazu, dass sich der einstige Verbündete Arminius, Sohn eines Cheruskerfürsten, gegen Rom wandte und die Germanenstämme für den Kampf gegen Rom gewinnen konnte. Dabei kam ihm zu Gute, dass er in Rom zum römischen Krieger ausgebildet, später in den Ritterstand erhoben worden war und sehr genaue Kenntnisse über das römische Militärwesen besaß. So war er befähigt, dem römischen Heer eine seiner bittersten Niederlagen beizubringen.
Nach der verlorenen Schlacht schien es zunächst, als würde Augustus seine Ziele hinsichtlich Germaniens aufgeben. Aber er ließ eine Legion nach der anderen ersetzen und schon fünf Jahre später versuchte Nero Claudius Germanicus, Großneffe des Kaisers und römischer Feldherr, die Ergebnisse der Varusschlacht zu revidieren. Aber auch er scheiterte an Arminius.
Der Ort der Varusschlacht ist bis heute Gegenstand der verschiedensten Ansichten und Spekulationen. Auf Grund römischer Funde geht man davon aus, dass sie wahrscheinlich bei Kalkriese stattgefunden hat. Nach diesen Niederlagen beschränkte sich Augustus auf die Sicherung der Grenzen, baute den Limes und kümmerte sich um die Entwicklung von Wirtschaft und Kultur. Unter ihm gelangte sie zur Blütezeit.
Kaiser Augustus – Imperator
Kaiser Augustus starb am 14. August des Jahres 14 auf einer Reise in Nola. Er trug nicht mehr den Namen Gaius Octavius, sondern sein vollständiger Titel lautete nunmehr Imperator Caesar Divi filius Augustus, Pontifex Maximus, Cons XIII, Imp XXI, pot XXXVII, Pp.